Der stellvertretende Dekan Pfarrer Hans-Georg Bredull überreicht als Höhepunkt des zweiten Stiftungsfestes die Anerkennungsurkunde des Landesbischofs.
Unsere “Stiftung Diakonie im Achental” , bisher eine nicht rechtsfähige Stiftung der Kirchengemeinde, wurde, wie der Kirchenvorstand beschlossen hat, in eine selbstständige Stiftung umgewandelt. Wir haben beim Stiftungsbeauftragten, Hans-Jürgen Rippler nachgefragt:

Redaktion: Warum wurde dieser Schritt gerade jetzt gemacht?

H-J. Rippler: In der bisherigen Satzung war festgelegt, dass der Kirchenvorstand bei einem Stiftungsvermögen über 50.000,00 Euro prüfen muss, ob die Stiftung in eine rechtsfähige Stiftung umgewandelt werden soll.

Red: Warum gerade bei 50.000 Euro?

HJR: Weil die staatliche Aufsicht ein Grundstockvermögen von 51.000 Euro als Minimum für die Verwirklichung des Stiftungszweckes ansieht.

Red: Und warum überhaupt selbstständig?

HJR: Die Stiftung bekommt dadurch eine von Kirchensteuer und Landeskirche unabhängige Identität, sie wird eine eigene juristische Person mit allen Handlungsmöglichkeiten und vor allem mit lokalem Bezug.

Red: Die Stiftung kann sich also, ohne auf Mittelzuweisungen durch Dekanat und Landeskirche angewiesen zu sein, um Aufgaben im unmittelbaren Umfeld kümmern?

HJR: Ja, sie kann die Erträge aus dem Grundstockvermögen, aber auch Spenden die nicht unmittelbar für das Grundstockvermögen ausgewiesen wurden z.B. dazu verwenden, die Kirchengemeinde bei der personellen Ausstattung der diakonischen Arbeit finanziell zu unterstützen.

Red: Was für Spenden meinen Sie da?

HJR: Zuwendungsmöglichkeiten gibt es viele. Wenn die Stiftung etwa mit einem Vermächtnis bedacht wird und dies nicht für das Grundstockvermögen vorgesehen ist, muss es direkt dem Stiftungzweck zugeführt werden. Allerdings ist es immer noch vordringlich, gerade das Grundstockvermögen deutlich zu stärken, denn nur so wird der Stiftungszweck auch langfristig erfüllbar. Beim Grundstockvermögen kommt noch als besonderes Extra hinzu, dass Spenden bis zu ca. 20.000 Euro voll steuerlich berücksichtigt werden. Die sonst übliche 5 bzw. 10%-Begrenzung bei Spenden für gemeinnützige, kirchliche bzw. wohltätige Zwecke entfällt hier.

Red: Welche Vorteile sehen Sie noch?

HJR: Nun, u.a. kann die selbstständige Stiftung auch Erbschaften antreten. Sie braucht da niemanden zu fragen. Sie kann bei Grundvermögen auch selbst ins Grundbuch eingetragen werden und so als Stiftung Immobilienbesitz haben, Sie kann selbst Verpflichtungen eingehen, also z.B. Auflagen in Testamenten erfüllen.

Red: Diese Gründe sind einleuchtend. Aber sehen Sie nicht die Gefahr der Entfernung der Stiftung von der Kirchengemeinde?

HJR: Wie Sie wissen habe ich mich persönlich immer dafür eingesetzt, dass Diakonie und diakonische Arbeit fest mit der Kirchengemeinde verwoben sind. Bei der neuen Stiftung erreichen wir das auch damit, dass sich der Stiftungsvorstand aus dem vom Kirchenvorstand gewählten Stiftungsbeauftragten, der hauptamtlichen Arbeitskraft die dienstlich für die Diakonie verantwortlich ist und einem aktiven Mitglied, ausgewählt vom Freundeskreis Diakonie und bestätigt durch den Kirchenvorstand zusammensetzt. Eine starke Verbindung also, aber doch mit der notwendigen Eigenverantwortung und Eigenständigkeit. Dies alles isteht so in der neuen Satzung.

Red: Herr Rippler, das alles verstärkt auch in uns den Eindruck, hier im Achental eine diakonische Familie zu haben, die gerade jetzt in Zeiten härter werdender wirtschaftlicher Bedingungen, bei immer größerer sozialer Kälte, doch Anlass zur Hoffnung gibt. Gerade die Arbeit für die Armen und Schwachen, aber auch im Senioren- und Jugendbereich wird so ermöglicht. Dazu wünschen wir der “Stiftung Diakonie im Achental” in ihrer neuen, unabhängigen Form Erfolg und Zuspruch aus allen Kreisen der Bevölkerung.

Stiftung Diakonie im Achental feiert Selbstständigkeit

In Marquartstein wird eine Kerze fürs Achental angezündet und gefeiert. Es ist der 18.11.2005. „Leise rieselt der Schnee“ vom wolkenbehangenen Nachthimmel. Schneegestöber. Die Straßen sind schlecht geräumt. Nein, keine Weltuntergangsstimmung. Ganz im Gegenteil: Als „Kerze fürs Achental“, die Licht in das graue Alltagsleben vieler vor allem älterer Menschen bringt, ist die Stiftung Diakonie im Achental von Diakonin Regina Reymann apostrophiert worden. Gefeiert wird das zweite Stiftungsfest und die Tatsache, dass die Stiftung seit kurzem selbstständig geworden ist: Sowohl das Bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus als auch die evangelisch-lutherische Landeskirche in Bayern haben eine Urkunde ausgestellt, festlich überreicht vom stellvertretenden Dekan Pfarrer Hans-Georg Bredull aus Bad Reichenhall. Fast wäre aus der Übergabe des landeskirchlichen Dokuments nichts geworden: Bredull war auf der Autobahn Salzburg-München unterwegs nach Marquartstein. Das Schneechaos verhinderte eine pünktliche Ankunft.

Doch der Reihe nach: Das zweite Stiftungsfest der Stiftung Diakonie im Achental beginnt mit witterungsbedingter Verzögerung. Trotz Prime-Time, parallel stattfindender Bürgerversammlung und Schneechaos kommen über 50 Festgäste in die Erlöserkirche. Dass sie an diesem Abend gut besetzt ist, hat einen einfachen Grund: Kunst und Diakonie geben sich heute die Klinke in die Hand. Musikalische Werke von Mahler, Schubert und Bernstein, vorgetragen von Maria Matawa (Alt), am Klavier begleitet von Theresia Wertenson, werden kombiniert mit einer dramaturgischen Geschichtenerzählung von Regina Reymann, überleitenden Worten von Pfarrer Ekkehard Purrer, Berichten des Stiftungsbeauftragten, Hans-Jürgen Rippler, und der festlichen Übergabe der landeskirchlichen Stiftungsurkunde. Den Besuchern wird in harmonischen Umgebung nicht nur erzählt, dass einem eine Kerze manchmal viel mehr geben kann als materielle Güter: Romantik, Wärme, Geborgenheit, Besinnlichkeit und vieles mehr. Regina Reymann geht noch weiter und vermittelt den Festgästen den Sinn und Zweck der Stiftung Diakonie im Achental, nämlich: Wie eine Kerze Licht in manch dunkles Leben bringt, so unterstützt sie optimal die diakonische Arbeit.Dass dazu Bereitschaft da ist, zeigt Hans-Jürgen Rippler mit einigen Zahlen: So beträgt das Vermögen der Stiftung derzeit rund 60.000 Euro.

Aber nicht nur Geschichten, Zahlen und Fakten zur Stiftung und wohlklingende Musik gibt es an diesem Freitagabend. Eine Vernissage von Karlheinz Hauser, Kunsterzieher am Landschulheim in Marquartstein, schließt sich daran an. Damit die Festgäste von diesem Abend nicht nur geistige Kost mitnehmen und die Stiftung auch finanzielle Mittel erhält, gibt es Drucke des ausgestellten Holzschnittes – ein 180-Grad-Panorama des Achentals – zentimeterweise zu kaufen. Spendenwillige konnten außerdem bei Regina Reymann im Büro mit dafür sorgen, dass die Kerze der Stiftung im Achental weiter brennt.

Musik, Geschichten, Zahlen, Fakten und bildliche Kunst sind aber immer noch nicht alles, was diesen Abend in den Augen der Festgäste so besonders macht: Ein kaltes Buffet, zubereitet von Ann-Kathrein Opitz und ihrem Team, rundet den Abend ab.„Eine wunderbare Idee ist dieses Stiftungsfest“, sagt der stellvertretenden Dekan Bredull. Aber nicht nur solche Äußerungen verraten, dass der Abend aus Sicht der Festgäste etwas Besonderes war: Auch die Erlöse zeigen eine entflammte Begeisterung. Weit über eintausend Euro lassen die Gäste da, zwölf Meter Holzschnittdrucke werden verkauft und fast tausend Euro waren in den Tagen vor dem Fest auf dem Konto der Stiftung eingegangen. Und noch etwas gibt es, das zeigt, dass die Kerze im Achental weiter brennen wird: Die vielen freiwilligen Helfer an diesem Abend, erkennbar an einem Alpenveilchen, das sie als Dank erhalten und bei sich tragen. Übrigens: Gestiftet hat die Pflanzen „Blumen Glanz“ aus Unterwössen. Heimische Firmen tragen also auch dazu bei, dass die Stiftungskerze nicht erlischt.

 

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