Die Auswirkungen der Weltwirtschaft spürt auch die Stiftung der Diakonie. Während des 17. Stiftungsfestes der Stiftung Diakonie im Achental im Marquartsteiner Gemeindezentrum referierte Vorsitzender der Stiftung Volkmar Döring über die finanzielle Ausstattung der Stiftung und den gesellschaftlichen Wandel. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Marquart Ensemble.

Alexandra Scheufler an der Harfe, Corinna Halder mit der Querflöte und Luisa-Maria Halder an der Geige eröffneten mit feinen Klängen das nunmehr 17. Stiftungsfest der Diakonie. Diakon Michael Sörgel verwies bei der Begrüßung auf den Kirchweihtag, dem internationalen Tag der Armut. Dank der Stiftung könne unabhängig von Konfession oder Herkunft geholfen werden. „Wir helfen, weil wir es können und weil es Not tut“, betonte Sörgel.

Auf die weltweiten Verflechtungen der Wirtschaft ging Volkmar Döring ein. Die Pandemie habe alle getroffen und auch die Stiftung, die so etwas wie eine Vermögensverwaltung sei. Die Pandemie habe gezeigt, wie stark die Welt zusammengewachsen sei und durch das globale Wirtschaftsgeschehen große Abhängigkeiten entstanden sind. Das Land sei gut inmitten der EU zurechtgekommen, konnte Vorteile nutzen. Nachteil sei, dass nicht mehr frei bestimmt werden könne und man von der Währungs- und Zinspolitik abhänge. Gerade diese Zinspolitik bringe der Stiftung Probleme. Das Grundstockvermögen sei auch in Notfällen unantastbar. Nur die Erträge dürfen für die diakonische Arbeit verwendet werden. Zum Grundstockvermögen komme auch die Rücklage, in die mögliche Zinserträge einfließen und über die frei verfügt werden könne. Entsprechend dem diakonischen Zweck gebe es in der Stiftung auch Verpflichtungen, die finanziert werden müsse und hier fehle es an Zinserträgen. Er bat auch weiterhin um Spenden für die Stiftung. 

Döring stellte die Frage, ob es diakonische Arbeit brauche. Dem Durchschnitt es gehe es gut, doch auch im Achental gebe es Menschen in Not, Menschen, die alleine sind, Hilfe brauchen. Was ihm große Sorge bereite, ist der gesellschaftliche Wandel. Döring nannte es eine negative Art der Selbstverwirklichung, des Egoismus. Man sehe dies täglich im Straßenverkehr, aber auch bei der Behinderung von Rettungskräften. Laut Döring gebe es im Zusammenleben übereinstimmende Werte, wie das Verantwortungsbewusstsein für sich selbst. Jeder zehnte sei bereits überschuldet und immer weniger übernehmen Verantwortung für den eigenen Misserfolg. Zur Verantwortung zähle auch an die Zukunft zu denken und eine intakte Umwelt zu hinterlassen. Unverantwortlich sei die wachsende Staatsverschuldung. Weitere Werte seien Leistungsbereitschaft und Lernwilligkeit, wie auch Respekt gegenüber anderen. Aber auch Rücksichtnahme und Toleranz seien Werte, die vermittelt werden müssen. Meinungen und Einstellungen anderer sollen akzeptiert werde und man müsse sich auch in Situationen hineinversetzen können. Dennoch dürfe man keine Einmischung religiöser Fanatiker dulden und persönliches Interesse müsse zum Wohl der Gemeinschaft zurücktreten. Zudem nannte Döring auch Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit und schließlich das soziale Bewusstsein. Man müsse an die denken, die krank sind, an die, die unverschuldet in Not geraten sind und dürfe nicht immer material denken. Dies sei die Chance für soziales Engagement. Alle Werte beschreiben die Arbeit der Diakonie mit vielen ehrenamtlichen Helfern, die gemeinsam mit hauptamtlichen Koordinatoren diese Werte leben. Müsste der Staat diese ehrenamtliche Arbeit bezahlen, wäre er überfordert“, betonte Döring. Drei großen Themen werden im Fokus stehen, die Erderwärmung, der demographische Wandel und die Digitalisierung. Dem demographischen Wandel widmet sich die Diakonie bereits mit vielen Projekt. Nun kommt zudem noch ein Digitalisierungsprojekt, das ältere Menschen einbezieht.

Alt werden, so Sörgel, bedeutet für viele zunehmende Einsamkeit. Der Freundeskreis werde kleiner, die Helfer weniger und die Familie sei oftmals nicht vor Ort. In anderen Länder sei die digitale Kommunikation auch der älteren Bürger selbstverständlich. Das Werkzeug sei dann nicht mehr das Telefon, sondern vielmehr das Smartphone oder Tablet. Man habe sich an das Alleinsein gewöhnt. Doch nun, so Sörgel, gebe es eine Lösung, und zwar eine App, die Churchpool-App. Über die App kann kommuniziert werden, können Gruppen mit Gruppenchats entstehen, werden Nachrichten und Gemeindebriefe übermittelt, Veranstaltungen gepostet, können Termine und Erinnerungen geteilt werden, und zwar mit Menschen vor Ort im Achental. Sörgel nannte auch praktische Beispiele, wie die Frage wer einen nach Traunstein zum Arzt fahren kann, oder wer Wolle besorgen kann. „Wir wollen Menschen zusammenbringen und das geht digital“, so Sörgel. Dank des Rotary Clubs verfügt die Diakonie über smarte Geräte und noch in diesem Monat soll mit Schulungen zur Nutzung der App begonnen werden. Es gehe darum den Alltag selbstbewusst erleben zu können. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist auch das Hilfsangebot. Die App, so Sörgel, sei auch die einzige Möglichkeit in allen fünf Gemeinden tätig zu werden.

Mit vielen Gesprächen und gute Musik ging der festliche Abend zu Ende. tb

Quelle: Traunsteiner Tagblatt, erschienen am 21.10.21, Text und Fotos: Tamara Eder